Etwas für die Gemeinschaft tun

"Willst Du Dir das wirklich antun?" So heisst das aktuelle Buch der früheren Bundestagsabgeordneten Cornelia Sonntag-Wolgast, die ebenso wie ich über viele Jahre hinweg im Journalismus tätig war. Jene Frage war ihr zu Beginn ihrer politischen Laufbahn häufig im Bekannten- und Kollegenkreis begegnet. Auch ich werde derzeit oft mit dieser Frage konfrontiert:

"Willst Du Dir das wirklich antun?" Eine Aussage, die symptomatisch für den Wandel der Zeit ist. Viele Menschen wenden sich ab von der Politik, ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben ins Private zurück.

Keine Frage: Meldungen über Parteienzoff, exorbitante Pensionszahlungen an Multi-Polit-Funktionäre und ein als oftmals bürgerfern wahrgenommener Politikbetrieb machen nicht unbedingt Lust auf Politik.

Die Parteien verlieren Mitglieder. Die Beteiligung an Wahlen geht zurück. Auch viele Vereine, Verbände und Institutionen beklagen "Nachwuchssorgen".

Sicher: Für viele Menschen mag es attraktiver sein, am Wochenende wandern oder segelfliegen zu gehen als die Jugendmannschaft eines Sportvereins zu betreuen, als bei einem Stadtteilfest stundenlang am Grillwürstlstand zu stehen - oder nach Feierabend in Parteigremien gar darüber zu diskutieren, wo eine neue Ampel installiert werden muss.

Ebenso verständlich: Viele Menschen der jüngeren Generation haben zu kämpfen, sich eine berufliche und familiäre Existenz aufzubauen. Die Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen der Zeit verlangen ihren Tribut.

Was auf der Strecke bleibt, ist der Gemeinsinn.

Engagement für andere - nein danke?

Der Staat jedoch ist auf das Engagement des Einzelnen angewiesen. Wie sollte man das Zusammenleben der Menschen anders organisieren?

In den vergangenen Jahren habe ich eine Vielzahl überaus engagierter und liebenswürdiger Menschen kennengelernt, die einen Großteil ihrer Freizeit in ehrenamtliche Projekte stecken - auch in politischen Parteien. Ich finde, das sollte man anerkennen - und nicht alle politisch Aktiven über einen Kamm scheren.

Jeder Einzelne kann etwas bewegen. Politik, das sind wir alle.

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